Von der Gründung bis zum Beginn des 1. Weltkrieges

Am 29. Oktober 1871 gründeten Brünner Abiturienten, die in Wien ihr Universitätsstudium aufnahmen, die Deutsch-akademische Verbindung Bruna mit dunkelroten Kappen und einem schwarz-rot-goldenem Band, auf dem in Silber ein „B“ aufgestickt war. Diese Verbindung war zunächst progressistisch eingestellt. Sie erklärte sich am 27. Jänner 1872 zur Landsmannschaft Bruna, unter Beibehaltung der bisherigen Farben, jedoch Abschaffung des silbernen „B“.

BS_Aktivitas_1898

Die Aktivitas der Bruna Sudetia im Jahr 1898, dem Jahr der Hauseröffnung.

Am 6. Juni 1874 nahm die Landsmannschaft Bruna das konservative Prinzip an und erklärte sich am 19. Juni 1874 zur Akademischen Landsmannschaft Bruna. Des Weiteren nahm sie den Standpunkt der Unbedingten Genugtuung an; ein regelmäßiger Paukbetrieb wird verpflichtend. Im folgenden Wintersemester, am 14. November 1874, schlug die Bruna ihre erste Schlägermensur mit der Landsmannschaft Markomannia (heute Burschenschaft Markomannia Wien zu Passau).

Am 22. Jänner 1876 wurde die Bruna Mitglied der Deutschen Landsmannschaft, heute Coburger Convent. Nach nur zwei Semestern verließ die Bruna am 22. Oktober 1876 bereits wieder das landsmannschaftliche Lager und erklärte sich zur Akademischen Burschenschaft Bruna. Diese behielt die Mützenfarbe bei, änderte jedoch ihre Farben auf violett-rot-gold.

Am 13. Dezember 1873 gründeten sudetendeutsche Hochschüler in Wien den Verein deutscher Hochschüler aus den Sudetenländern. Am 3. Mai 1882 wurde der Name des Vereins auf Sudetia, Verein Deutscher Studenten aus den Sudetenländern geändert. Die Sudetia trug keine Mützen, jedoch ein schwarz-gold-weißes Burschenband. Ebenfalls vorerst progressistisch eingestellt, wurde die Sudetia 1882 konservativ und schlug ihre erste Schlägermensur auf die Waffen der Burschenschaft Silesia gegen die oben bereits erwähnte Landsmannschaft Markomannia.

Das beiderseitige Bedürfnis nach Stärkung ihrer Positionen am Wiener Couleurboden führten dazu, dass sich die beiden Korporationen am 12. Dezember 1882 zur Wiener akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia verschmolzen. Die Fusionsburschenschaft nahm den heute noch gültigen Zirkel, sowie das heutige Wappen an und trägt seither die Farben violett-rot-gold und dunkelrote Mützen.

Im Wintersemester 1886 wird der perpetuelle Gemeinheitsverruf durch den Wiener DC über Bruna Sudetia verhängt. Grund ist die Weigerung der Bruna Sudetia ihre jüdischen Mitglieder aus der Burschenschaft zu verweisen, da dies dem bundesbrüderlichen Prinzip widerspräche. Eine geschlossene Front der Ablehnung steht dem Bund auf Wiener Boden gegenüber. Zur Schonung ihrer Burschenschaft, verlassen am 3. Mai 1888 die letzten jüdischen Mitglieder freiwillig den Bund. Im selben Jahr erfolgte die Aufnahme des Waidhofner Prinzips; der Verruf wurde daraufhin aufgehoben.

Im Jahr 1889 wird die Zwangsmitgliedschaft im Altherrenverband für Universitätsabsolventen der Bruna Sudetia eingeführt. Im selben Jahr entsteht eine bis heute aufrecht gebliebene Tradition: der Greifensteinausflug.

Da Bruna Sudetia in waffenstudentischen und burschenschaftlichen überregionalen Zusammenschlüssen stets federführende Positionen einnahm, leitete der Brunensprecher Dr. Moritz Edler von Statzer, Obmann des Lese- und Redevereins Germania, 1897 den ersten Alldeutschen Burschentag.

Die Eröffnung des 1. Bruna Sudetia-Hauses (gleichzeitig das 1. Couleurhaus in Österreich) in der Strozzigasse 11 erfolgte am 19. November 1899.

Der erste Weltkrieg machte Ende des Sommersemesters 1914 bis zum Wintersemester 1918 eine aktive Betätigung der Burschenschaft unmöglich. Etwa hundert Mitglieder waren zum Kriegsdienst eingezogen.

Zwischenkriegszeit und zur Zeit des Nationalsozialismus

1919 reaktiviert die Bruna Sudetia mit 26, zum Großteil kriegsgeprägten, Fuchsen. Ziviles akademisches Leben gestaltete sich anfänglich schwierig. Noch im selben Jahr wird die Bruna Sudetia Mitglied in der Deutschen Burschenschaft.

Bis in die dreißiger Jahre entwickelt sich der Bund, trotz politischer Wirren, zu seiner Hochblüte. Zum Schutz der Burschenschaft, beschließt der Generalconvent im Oktober 1932, seinen Mitgliedern die Betätigung in bestimmten, den burschenschaftlichen Grundsätzen zuwiderhandelnden, Parteien zu verbieten. Seit dem Juni 1933 wurde die Umerziehung und Unterwanderung der Deutschen Burschenschaft, durch die Nationalsozialisten vom Deutschen Reich aus, deutlich spürbar. In der Meinung, durch Anpassung an die reichsdeutschen Verhältnisse, das Ansehen des Bundes zu erhalten, wird anstelle eines Sprechers ein Führer dem Bund vorangestellt. Im Dachverband Burschenschaft der Ostmark (BdO) übernimmt der Brune Dr. Erich Führer diese Position. Nach der Gleichschaltung der Deutschen Burschenschaft mit dem NS-Regime 1933, gründeten die österreichischen Burschenschaften die BdO wieder, die zuvor schon von 1907 bis 1919 bestanden hatte.

In Folge der Radikalisierung der politischen Verhältnisse im Ständestaat Österreich, aber spätestens seit dem Wintersemester 1936, steht Wehrsport gleichbedeutend mit dem Pauken auf dem Tagesprogramm.

Am 8. Juni 1938 erfolgte, unter dem Druck der neuen Machthaber, die zwangsweise Überführung der Burschenschaft Bruna Sudetia zur Kameradschaft Otto Planetta; die Burschenschaft wird am 8. Juni 1938 durch das NS-Regime aufgelöst – ein Umstand, der die anfängliche Hochstimmung ob der politischen und ideologischen Umgestaltung merklich dämpft. Auf Grund der Tatsache, dass Bruna Sudetia über ein eigenes Haus verfügte und zudem die Mitgliederstärke aufwies, eine eigene Kameradschaft zu gründen, bleib der Bund durch äußere Einflüsse verschont. Er musste weder eines der Kameradschaftshäuser beziehen, noch bundfremde Mitglieder des NSDStB in seine Reihen aufnehmen.

Der Zweite Weltkrieg ruft zwar wieder mit 101 Brunen weite Teile der Burschenschaft zu den Waffen, der Betrieb konnte aber eingeschränkt weitergeführt werden. Das 70. Stiftungsfest im Oktober 1941, das von knapp 70 Brunen besucht werden konnte, steht zwar im Zeichen des "totalen Kriegs", es konnten jedoch bisweilen noch Mensuren geschlagen werden. Im Winter 1942 musste der aktive Betrieb zur Gänze eingestellt werden; die äußere Beobachtung des Bundes wurde intensiver und das letzte Aufgebot wurde an die Fronten entsandt.

Am 5. November 1944 wurde das Bruna Sudetia-Haus bei einem amerikanischen Luftangriff durch Brandbomben zerstört.

Wiedergründung nach dem 2. Weltkrieg bis heute

Am 9. Februar 1947 wurde die seinerzeitige Wohnungsgenossenschaft Bruna Sudetia, als erste Institution der Burschenschaft, in der Absicht wieder errichtet, das Bruna Sudetia-Haus neu aufzubauen. Architekt war der Brune Professor Josef Oskar von Wladar. Die Tätigkeit des Bundes wurde durch eine, am 6. Juni 1951 gegründete Akademische Vereinigung Greifenstein, kurz darauf Akademische Verbindung Hohenheim, aufgenommen. Diese führte ab 7. August 1952 den Titel Wiener Akademische Vereinigung Bruna Sudetia. Erst 1953 durfte wieder der alte Name Wiener akademische Burschenschaft Bruna Sudetia geführt werden. Am 7. Mai 1955 konnte das neu errichtete Couleurhaus bezogen werden.

BS_Aktivitas_1954

Die Bruna Sudetia bei der feierlichen Grundsteinlegung des zweiten Bruna Sudetia-Hauses 1954

1959 verfasst der Brune Josef Oskar von Wladar die Grundsatzerklärung der Deutschen Burschenschaft in Österreich mit dem Titel Manifest der Deutschen Burschenschaft in Österreich anlässlich des 100-jährigen Bestehens. Ein Jahr später veröffentlicht der Brune DI Hermann Kränzl-Hollan sein über 900-seitiges Werk über die Geschichte der Bruna Sudetia.

Seit 1976 ist die Burschenschaft Bruna Sudetia wieder Mitglied der Deutschen Burschenschaft.